Geschichte des Fußballs: Der Fussball wird exportiert
Auf dem europäischen Festland waren die Niederlande und Dänemark die ersten Länder, die 1889 nationale Fußballverbände gründeten, doch bereits Jahre zuvor hatten sich in vielen Regionen Fußballklubs nach englischem Vorbild gebildet. Überhaupt hatten die Engländer großen Einfluss auf die Verbreitung des Fußballs, vor allem über den Seeweg gelangte das Spiel in zahlreiche Regionen Europas und der Welt.
So konnte sich der Fußball in der Schweiz, wo das Spiel in den 1860er Jahren am Genfer See von dort studierenden Engländern eingeführt worden war, schnell durchsetzen. 1860 wurde der vermutlich älteste Verein der Schweiz, der „Lausanne Football and Cricket Club“ gegründet und 1879 der FC St. Gallen, der heute noch existiert. Beide Gründungen gehen auf englische Studenten zurück.
1872 entstand in der Hafenstadt Le Havre der erste französische Fußballklub – dieser wurde von englischen Fabrikarbeitern ins Leben gerufen. In die Niederlande gelangte die Sportart erstmals 1879 durch Pim Mulier, einen Holländer, der in England studiert hatte.
Auch in Italien war der Einfluss aus dem „Mutterland des Fußball“ unübersehbar: 1891 formierte Eduardo Bosio den „Internazionale Football Club Torino“, den ersten italienische Klub. Der Geschäftsmann pendelte zwischen Turin in London und hatte sich auf seinen Reisen mit dem Spiel angefreundet. 1897 gründeten in Turin lebende Briten gemeinsam mit italienischen Studenten Juventus, 1899 entstand der nationalistisch orientierte „Milan Cricket and Football Klub“. Da letzterer keine Ausländer akzeptierte, wurde von Schweizern und Italienern der Verein „Internazionale Mailand“ gegründet.
In Spanien soll der Fußball zunächst um etwa 1890 in den baskischen Nordprovinzen von britischen Bergarbeitern eingeführt worden sein. Auch der älteste Verein des Landes, der „Athletic Club of Bilbao“ wurde 1898 von Studenten, die das Spiel aus England kannten, gegründet. Ein Jahr entstand der FC Barcelona – erster Präsident war der Engländer Walter Wild, erster Kapitän der Schweizer Vereinsgründer Hans Gamper.
Auch für den „Export“ des Fußballs nach Lateinamerika waren maßgeblich Briten verantwortlich.
In Argentinien lebten um 1890 rund 40 000 Briten – das beliebteste Hobby der Seeleute in Buenos Aires war der Fußball. Während die Spieler anfangs noch als „Verrückte“ bezeichnet wurden, begeisterten sie die einheimische Bevölkerung schnell für ihr Spiel. 1867 gründeten die Engländer Thomas und William Hogg sowie William Herald den ersten Klub Südamerikas: „Buenos Aires FC“.
In Brasilien gilt Charles Miller, der 1875 in Sao Paulo geboren wurde und dessen Eltern aus England stammten, als wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung des Fußballs im Land. Miller hatte in England für Southampton, gespielt, ehe er 1894 – angeblich mit zwei Fußbällen und einem Fußballtrikot im Gepäck – nach Brasilien zurückkam. Er soll dort 1895 das erste offizielle Fußballspiel, bei dem sich Engländer gegenüberstanden, organisiert haben.